3.3 Groß- und Kleinschreibung bei Substantiv-Ähnlichkeit

3.3 Groß- und Kleinschreibung bei Substantiv-Ähnlichkeit

3.3.1 Desubstantivierung

Einige Wörter sehen aus wie Substantive, werden aber nicht mehr als solche empfunden. Wenn ein früheres Substantiv seine substantivischen Merkmale eingebüßt und die Funktion einer anderen Wortart übernommen hat (Desubstantivierung), wird es kleingeschrieben.

3.3.2 Scheinsubstantive

Einige Wörter haben die Erkennungswörter von Substantiven bei sich, sind aber keine echten Substantive. Wenn ein Wort trotz Erkennungszeichen kein echtes Substantiv ist (Scheinsubstantiv), wird es kleingeschrieben.

R 3.10

Kleingeschrieben werden Adverbien, die auf -s enden und meist Tageszeiten oder Wochentage betreffen.

samstags, nachts, anfangs, abends, morgens, mangels, angesichts, teils ... teils

Aber: heute Abend, morgen Mittag, gestern Morgen; heute früh, österr. auch: heute Früh

R 3.11

Kleingeschrieben werden die Adjektive angst, bang, bankrott, feind, gram, pleite, recht, schuld in Verbindung mit sein, bleiben, werden.

Du bist schuld. Mir wird angst. Ich bin pleite. Er ist bankrott. Das soll mir recht sein!

Ausnahme: recht/Recht, unrecht/Unrecht. Hier gelten beide Schreibweisen:

recht/Recht behalten, bekommen, geben; unrecht/Unrecht haben, tun

Aber: Das Substantiv schreibt man groß.

Das ist deine Schuld. Ich habe Angst. Er macht Pleite/Bankrott.

R 3.12

Kleingeschrieben werden die Präpositionen dank, kraft, laut, statt, trotz, zeit, um ... willen, die den Genitiv verlangen.

dank deiner Hilfe, laut Plan, trotz deiner Unfreundlichkeit, zeit seines Lebens, um unserer Freundschaft willen

R 3.13

Kleingeschrieben werden die unbestimmten Zahlwörter ein bisschen (= ein wenig) und ein paar (= einige)

ein bisschen Zucker, ein klein bisschen Milch; ein paar Äpfel

Aber: ein Paar Schuhe

R 3.14

Kleingeschrieben werden Verbverbindungen mit nicht mehr eigenständigem substantivischem Bestandteil: heim-, irre-, leid-, not-, stand-, preis-, statt-, teil-, wunder- in getrennter Stellung.

Fahr mich heim! Fred nimmt teil. Er gibt sein Geheimnis nicht preis. Wir laufen eis. Er stand kopf

Probe: Infinitiv bilden!

heimfahren, teilnehmen, preisgeben, eislaufen, kopfstehen

In bestimmten festen Fügungen kann klein- und großgeschrieben werden:

achtgeben/Acht geben; achthaben/Acht haben.

Dagegen wird nur großgeschrieben bei:

in Acht nehmen, außer Acht lassen
gib gut acht! Sie hat große Acht darauf gegeben.

Die Substantivierung wird großgeschrieben.

das Inachtnehmen, das Außerachtlassen

R 3.15

Kleingeschrieben werden gewisse unbestimmte Zahlwörter und Pronomen, auch wenn sie mit Artikel verbunden werden. Man sollte sich diese Ausnahmen merken!

viel, das meiste, wenig/das wenigste, (der) eine, (die) andere, (ein) jeder, (die) beiden, (das) alles, manche

Aber: Wenn der substantivische Charakter

betont werden soll, kann auch großgeschrieben werden.

Grüße die deinen/Deinen!

Jedem das seine/Seine!

Possessivpronomen mit bestimmtem Artikel können klein- oder großgeschrieben werden.

die Meinung der vielen/Vielen; Sehnsucht nach dem anderen/Anderen; das ist etwas anderes/Anderes!

R 3.16

Kardinalzahlen unter einer Million und Ordinalzahlen (auch in festen Verbindungen) schreibt man klein.

die ersten sieben, acht minus zwei, diese zwölf, mitte achtzig sein;

zum achten Mal, das vierte Gebot, das siebte Weltwunder

Aber: bei Substantivierung wird das Zahlwort großgeschrieben.

jeder Zehnte; die Achtzig erreicht haben

Bruchzahlen mit -tel und -stel schreibt man klein, wenn sie vor Maßangaben oder Kardinalzahlen stehen (Uhrzeitangabe); in allen anderen Fällen schreibt man sie groß.

ein viertel Liter Milch, (aber: einen Viertelliter Milch trinken!) viertel vor fünf (Uhr)

ein Achtel der Fläche, ein Drittel der Summe

Zur Getrennt- und Zusammenschreibung bei Zahlen s. R 4.19


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